VdS 6023:2026-05 ist seit Mai 2026 die aktuelle Ausgabe zur Minimierung von Brandrisiken bei Photovoltaik-Anlagen auf Dächern. Gegenüber 2023 wurden der Blick auf Dach-PV-Anlagen erweitert, die Maßnahmen neu strukturiert und beide Anhänge vollständig überarbeitet.
ZWEITE AUSGABE
Was sich gegenüber 2023 geändert hat
Die Erstausgabe von 2023 trug noch den Titel „Photovoltaik-Anlagen auf Dächern mit brennbaren Baustoffen“. Die Ausgabe 2026 heißt allgemeiner „Photovoltaik-Anlagen auf Dächern – Möglichkeiten zur Minimierung eines Brandrisikos“ und gilt für PV-Anlagen auf Dächern, insbesondere bei Industrie-, Gewerbe- und kommunalen Objekten.
VdS nennt als wesentliche Änderungen eine übersichtlichere Struktur der Maßnahmen in Abschnitt 3, die vollständige Überarbeitung von Anhang A und ein neues Formblatt in Anhang B zur Dokumentation umgesetzter Maßnahmen.
PV-ANLAGE UND DACH
Für die Bewertung zählt das Gesamtsystem
Die Richtlinie betrachtet PV-Module, Wechselrichter, Kabel und Leitungen gemeinsam mit Dachabdichtung, Dämmung, Tragkonstruktion und vorhandenen Öffnungen. Typische Zündquellen sind Gleichstromlichtbögen, Kabelbrände und elektrische Defekte von Wechselrichtern.
Ob und wie sich ein Brand ausbreiten kann, hängt unter anderem von Dachaufbau, Baustoffen, Anordnung der Module, Montagegestellen, Wind und zusätzlichen Brandlasten ab. Deshalb ist eine objektbezogene Risikobetrachtung erforderlich.
SCHNITTSTELLEN AUF DEM DACH
Brandwände, Dachöffnungen und Leitungswege mitdenken
VdS hebt die fachgerechte Verlegung von Gleichstromleitungen und die Schottung von Leitungswegen an Brandwänden hervor. Zwischen PV-Modulen und Brandwänden sowie zu Dachöffnungen wie Lichtkuppeln oder Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sind ausreichende Abstände einzuhalten.
Bei Bestandsanlagen können Dachsanierungen, Repowering oder der Austausch von Wechselrichtern geeignete Anlässe sein, um zusätzliche Schutzmaßnahmen umzusetzen.
RISIKOMINIMIERUNG
Bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen kombinieren
Baulicher Schutz
Oberflächenschutz, nichtbrennbare Dämmung, geeignete Dachschalung und fachgerechte Durchdringungen objektbezogen bewerten.
Technische Maßnahmen
Lichtbogenerkennung, sichere Leitungsführung, Störmeldungen sowie Branddetektion oder Löschtechnik prüfen.
Organisation
Instandhaltung, regelmäßige Prüfungen, Mängelbeseitigung und passende Inspektionsintervalle sicherstellen.
Planungsabstimmung
Schutzziele, Versicherungsanforderungen und die Umsetzbarkeit bei Neu- und Bestandsanlagen frühzeitig klären.
ADRESSATEN
Für Planung, Errichtung, Betrieb und Risikobewertung
Die Publikation richtet sich an Planer, Errichter, Betreiber und Investoren. Versicherern soll sie bei der Beurteilung von Risiken und bei der Auswahl geeigneter Schadenverhütungsmaßnahmen helfen.
RECHTSSTATUS
Die VdS 6023 ist kein Gesetz
VdS bezeichnet die Publikation ausdrücklich als unverbindlich. Praktische Bedeutung kann sie dennoch bei objektspezifischen Risikobewertungen, Versicherungsbedingungen und vertraglichen Vereinbarungen erhalten.
Bauordnungsrecht, eingeführte Technische Baubestimmungen, VDE- und DIN-Regeln sowie Herstellerangaben gelten daneben eigenständig und müssen gesondert berücksichtigt werden.
PRAXISFAZIT
Die neue Struktur für eine nachvollziehbare Risikobewertung nutzen
Für neue und bestehende Dach-PV-Anlagen bietet die Ausgabe 2026 eine systematische Grundlage, um Zündquellen, Dachaufbau, Abstände und Schutzmaßnahmen gemeinsam zu bewerten. Das neue Formblatt kann dabei helfen, getroffene Maßnahmen nachvollziehbar zu dokumentieren.
