DIN EN IEC 61643-11 (VDE 0675-6-11):2026-10 wurde am 11. September 2026 veröffentlicht. Sie gilt für Überspannungsschutzgeräte in Niederspannungs-Wechselstromnetzen bis 1.000 V und aktualisiert wesentliche Produkt- und Prüfanforderungen für SPDs der Typen 1, 2 und 3.

PRODUKTNORM

Teil 11 behandelt SPDs für Wechselspannungsanwendungen zusammen mit IEC 61643-01

Die allgemeinen Anforderungen für Überspannungsschutzgeräte stehen nun in IEC 61643-01. Teil 11 ergänzt, ändert oder ersetzt diese Anforderungen für SPDs in Wechselstromnetzen und muss zusammen mit der aktuellen Ausgabe von Teil 01 angewendet werden.

Die Norm richtet sich in erster Linie an Hersteller und Prüfstellen. Für Planer und Errichter liefert sie wichtige Produktmerkmale, ersetzt aber nicht die Errichtungsregeln der DIN VDE 0100-534.

NEUE PRÜFANFORDERUNGEN

Schutzpfade, Folgestrom und Kurzschlussprüfung werden präzisiert

  • Prüfungen werden klarer dem vollständigen SPD, einem Schutzpfad oder einer vollständigen SPD-Kombination zugeordnet.
  • Für kombinierte Schutzpfade zwischen aktiven Leitern und PE kommt eine zusätzliche Messung des Schutzpegels hinzu.
  • Typ-1- und Typ-2-SPDs mit Folgestrom erhalten eine zusätzliche Arbeitsprüfung bei niedrigeren Impulsströmen.
  • Kurzschlussstromprüfungen berücksichtigen moderne interne Abtrennvorrichtungen genauer.

GETRENNTE STROMKREISE

Dielektrische Prüfungen und Luftstrecken werden erweitert

Die Anforderungen an die dielektrische Prüfung der Hauptstromkreise wurden verbessert. Hinzu kommen Anforderungen an dielektrische Prüfungen und Luftstrecken für elektrisch getrennte Stromkreise.

Hersteller müssen deshalb Produktaufbau, Prüfkonzept, Bemessungswerte und technische Nachweise mit der neuen Normstruktur abgleichen.

FÜR ELEKTROFACHBETRIEBE

Produktspezifikation und Anlagenanforderung bleiben zwei verschiedene Ebenen

Auswahl und Errichtung in der elektrischen Anlage richten sich weiterhin insbesondere nach DIN VDE 0100-534 und den Herstellerangaben. Zu prüfen sind unter anderem SPD-Typ, Dauerspannung Uc, Schutzpegel Up, Ableitvermögen, Vorsicherung und Kurzschlussbedingungen.

Aus der Veröffentlichung der neuen Produktnorm folgt keine pauschale Austauschpflicht für bereits installierte, intakte SPDs. Ein Austausch kann sich jedoch aus Defekt, Umbau, geänderten Anforderungen oder Herstellerangaben ergeben.

PRAXISFAZIT

Neue Produkte und Nachweise auf den Normstand 2026 ausrichten

Hersteller und Prüfstellen müssen die neue Prüfsystematik umsetzen. Elektrofachbetriebe sollten bei neuen Projekten prüfen, ob ausgewählte Produkte und Herstellerunterlagen den aktuellen Stand abbilden, ohne daraus einen unbegründeten Austausch bestehender Anlagen abzuleiten.